Der Tag der überlaufenden Dusche
Wir hatten es uns so fest vorgenommen:
Heute sollte endlich ein ruhiger Tag werden.
Kein Baulärm, kein Werkzeug, keine Gäste. Nur Kaffee, Schatten und Stille.
Bis die Dusche beschloss, überzulaufen.
So viel zum Plan – Feiko mit der Bohrmaschine in der Hand, ich mit Handtüchern auf dem Boden.
Kurz darauf hörten wir, wie das Wasser wieder abfloss, ein Seufzer der Erleichterung ging durchs Haus.
Die Ruhe kam von selbst. Nicht trotz dieses Tages, sondern inmitten davon.
Unsere nordeuropäische Neigung zum Planen
Wir Nordeuropäer sind gut darin: Pläne schmieden.
Wir organisieren sogar unsere Entspannung, als wäre Ruhe etwas, das man buchen kann.
Wir schreiben „Nichts tun“ in den Kalender – und hoffen, dass es gelingt.
Aber Ruhe lässt sich nicht erzwingen.
Sie braucht keinen Zeitplan – nur eine Erlaubnis.
Je mehr du versuchst, dich zu entspannen, desto weiter entgleitet sie dir.
Sie ist ein bisschen wie der andalusische Wind zwischen den Steineichen:
Er kommt nicht, wenn du ihn rufst, sondern dann, wenn du aufhörst zu reden.
Was wir hier lernen
Wir stehen noch mit einem Bein in Spanien, aber dieses eine Bein lernt schnell.
Die Wände blättern ab, wenn man sie zu lange anschaut – durch Feuchtigkeit, Sonne und Zeit.
Sie brauchen Liebe, keine Pläne.
Und im Grunde gilt das hier für alles.
In den Niederlanden dachten wir lange, dass man Ruhe verdienen muss – nach harter Arbeit.
Hier lernen wir, dass Ruhe etwas ist, das man sich erlauben darf.
So wie die Erde hier: stur und trocken und doch großzügig für alle, die sich Zeit nehmen.
Die Steineiche als Lehrmeisterin
Zwischen den Hügeln stehen jahrhundertealte Steineichen.
Sie bewegen sich kaum und fangen doch jede Windböe mühelos auf.
Sie biegen sich nicht, um zu überleben – sie lauschen dem Himmel.
Manchmal denke ich, dass Ruhe genau so funktioniert:
Nicht, indem man stehen bleibt, sondern indem man nachgibt.
Ein bisschen so wie wir, mit unseren Listen, die langsam lernen, loszulassen.
Oder wie Feikos Bohrmaschine, die erst dann stoppt, wenn das Wasser entscheidet: Es ist gut jetzt.
Die Sanftheit des Zulassens
Zulassen ist keine faule Form der Aufgabe, sondern eine aktive Freundlichkeit dir selbst gegenüber.
Es braucht Mut, nichts zu reparieren – und trotzdem präsent zu bleiben.
Das ist auch der Kern dessen, was in der Achtsamkeitsforschung „Acceptance“ genannt wird:
Die Fähigkeit, mit dem zu sein, was da ist, ohne es sofort verbessern zu wollen.
Verständnis für das, was ist, ist keine Passivität – es kann eine überraschende Kraftquelle sein. Ein Artikel auf Mindful zeigt, wie Akzeptanz hilft, schwere Emotionen nachhaltig zu tragen: „Welcoming and letting tough emotions be … instead of pushing them away … might be the key to riding out unpleasant experiences.“
Und ein weiterer Beitrag auf Mindful verbindet Akzeptanz mit Selbstmitgefühl: Während Achtsamkeit uns lehrt, bei unserer Erfahrung zu bleiben, lenkt Selbstmitgefühl den Blick darauf, wer wir sind, während wir diese Erfahrung machen.
Auch das Greater Good Science Center beschreibt eindrücklich, wie Selbstmitgefühl in stressigen Zeiten wirkt – nicht, indem es alles wegschiebt, sondern indem wir freundlich mit uns bleiben, während wir durch den Sturm gehen.
Kleine Lektionen im Zulassen
-
Die Liste darf liegen bleiben.
Sie läuft nicht weg, sie wartet einfach, bis du wieder Lust hast. -
Sieh, was schon stimmt.
Manchmal ist das Haus schief – aber das Licht perfekt. -
Lass etwas unvollendet.
Es ist die Leere, die Raum zum Atmen schafft.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
1. Was bedeutet „zulassen“ eigentlich?
Nicht gegen das kämpfen, was ist. Anwesend bleiben, auch wenn es nicht in deinen Plan passt.
2. Warum ist Loslassen so schwer?
Weil Kontrolle sich sicher anfühlt. Aber Ruhe wohnt genau dort, wo du nichts mehr bewachen musst.
3. Wie kann ich das zu Hause üben?
Fang klein an. Trink deinen Kaffee ohne Handy. Atme. Schau auf das, was bereits gut ist.
4. Warum passt das zu Cortijo La Vista?
Weil Stille hier nicht geplant wird. Sie entsteht von selbst, zwischen zwei Steineichen, wenn der Tag so sein darf, wie er ist.
Echte Ruhe entsteht nicht durchs Planen, sondern indem du sie dir erlaubst.
Sie kommt nicht aus Kontrolle, sondern aus Vertrauen –
so wie der Wind, der zwischen zwei Steineichen heranweht.
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Hasta luego aus Andalusien,
Daniëlle | Cortijo La Vista
